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Veröffentlicht vor 3 Jahre, 6 Monate

Deutsche sind anders, Schweizer auch.

Beim Eintauchen in eine fremde Kultur sind grosse Unterschiede leicht zu erkennen. Kann es sein, dass wir die kleinen und feinen Unterschiede zwischen Schweizer- und Deutscher Kultur deshalb zu leicht nehmen und gerne ignorieren? Die Masse der Kleinigkeiten , ungünstig zusammengeführt, kann ausreichend Sprengstoff für Missverständnisse und / oder Konflikte bieten.

Wir haben auch Freunde in der Schweiz, die kommen da überhaupt nicht klar, vor allem mit den Schweizer Kollegen und in der Gemeinde», bemerkt eine Frau, als sie bei einem Seminar erfährt, dass der Referent aus der Schweiz kommt.

Meine spontane Antwort: «Da müssen die Schweizer und die Deutschen etwas falsch gemacht haben.»

Auf die Frage an einen Unternehmer, wie viele Deutsche er beschäftigt, erzählt er, dass er gerade einen Deutschen Ingenieur eingestellt hatte, der nach sechs Monaten wieder nach Deutschland zurück ging, da die Familie und besonders die Kinder in der Schule gemobbt wurden.

Seit über 20 Jahren lebe und arbeite ich in der Schweiz. Aktuell häufen sich die Bemerkungen und Aussagen, dass Schweizer mit «den Deutschen», und Deutsche mit «den Schweizern» nicht klarkommen“.  Was immer unter klarkommen verstanden wird, die Schweizer sind anders und die Deutschen auch!

Die Stimmung der Schweizer – Deutschen und umgekehrt ist unterschiedlich. Hier ein paar Auszüge aus Internet Foren:

Felix: «Das Gute an den Deutschen in der Schweiz ist, dass sie den Wettbewerb beleben und gute Arbeit leisten. Aber ihre grosse Klappe nervt schon ab und zu.»

Charly: «Im vornherein will ich sagen, dass ich nichts gegen Deutsche habe. Nun aber zu jenem Punkt welcher mich stört. Es kann doch nicht sein, dass wenn ich etwas kaufe (Hotel, Restaurant, Bar, Einkaufläden, …) meine Landessprache (schweizerdeutsch) nicht mehr anwenden kann und ich auf Hochdeutsch wechseln muss damit ich verstanden werde.»

(Anmerkung: Früher konnte der Service insbesondere in der Gastronomie min. drei Fremdsprachen. Heute sollte man min. drei Fremdsprachen und Schwyzerdütsch kennen um eine exakte Bestellung aufzugeben).

Madeleine W: «Wir haben selber 25 Jahre in Deutschland gelebt und gearbeitet und haben deshalb auch viele Deutsche Freunde. Uns ist aber aufgefallen, dass die Deutschen, die hier in der Schweiz sind, tatsächlich anders sind, unnahbarer und auch ziemlich fordernd, was dann eben wie arrogant wirkt.»

ingo:»ich bin nicht deutscher, rede aber akzentfrei deutsch und bin von england nach ZH zugezogen... letztens meinte meine nachbarin ganz gehässig «wir sind hier nicht in deutschland, merken sie sich das!»...als ich mal ausserhalb der waschküchenzeiten waschen wollte...:)»

Bruno F.  «Ja die Deutschen sind eher arrogant. Aber man muss Ihnen nur mit der nötigen Stärke, dem nötigen Wissen und deutlichen Worten entgegnen! Wir Schweizer sind vielleicht eher neidisch und kleinkariert, und meinen wir könnten es mit den Grossgekotzen nicht aufnehmen.»

Sicher handelt es sich bei diesen Aussagen um einen Detailblick ohne den Anspruch auf annähernde Vollkommenheit. Unbestritten ist eine Spannung erkennbar, die als Gefahr und als Chance wahrgenommen werden kann. Es ist auch das Verhältnis zwischen den Nachbarn. Dem Kleinen und dem Grossen im Norden. Der Germanist Peter von Matt meinte schon vor Jahren  in einem anderen Vergleich, der zwischen  Schweizern und Deutschen auch zutreffen kann: «Der Grössere gilt stets als kalt, arrogant und materialistisch, der Kleinere spricht sich selbst Wärme und Gefühl zu. Die Berner reden von den Zürchern wie ein Kachelofen von einem Eisberg».

Interessant ist ein Blick in die Vergangenheit. Anfang des 20. Jahrhunderts existierte mehr Harmonie und das, obwohl 1910 der Anteil der Deutschen an der Schweizer Wohnbevölkerung mit knapp 6%, fast doppelt so hoch war wie die 3,5% heute. In der Stadt Zürich betrug ihr Anteil damals sogar 21%, verglichen mit 8% heute.

Avenir Suisse eruierte, dass proportional zur eigenen Bevölkerung etwa dreimal so viele Schweizer in Deutschland (1% aller Schweizer) leben, wie Deutsche in der Schweiz (0,34% aller Deutschen). Die Auswanderungsneigung der Schweiz nach Deutschland sei also deutlich höher als umgekehrt, was allerdings typisch ist, für Länderpaare mit einem solchen Grössenunterschied.

Zur aktuellen Frage der «Andersheit» zurückkehrend, vermutet der emeritierte Professor für Geschichte an der Universität Basel, Georg Kreis: «Neben historischen und kulturellen Differenzen sind es möglicherweise auch Ähnlichkeiten, die zum Problem werden.»

Schweizer und Deutsche profitieren!

Unumstritten ist die Tatsache, dass der Nutzen wirtschaftlich und sozial für beide Seiten auf der Hand liegt. Schlaue Statistiker haben z.B. ausgerechnet: Wenn jeder 10. Arzt in der Schweiz Deutscher ist, sparte die Schweiz Ausbildungskosten dieser 3000 deutschen Ärzte von circa 3 Milliarden Franken. WHOW!

Umgekehrt partizipieren die Deutschen an den Werten und Infrastrukturen der Eidgenossen, deren Lebensqualität an der Weltspitze zu finden ist.

Wo her kommt also die Disharmonie zwischen Deutschen und Schweizern?

Dass die Medien dabei eine Aufgabe übernehmen muss niemanden erklärt werden, denn das wissen wir alle. Wir werden durch mehrfaches Wiederholen auf etwas eingestellt, das wir gerne so sehen, wie wir es gerne hätten. Mancher Schweizer sieht die Deutschen als Eindringlinge, manche Deutsche sehen die Schweizer als kleinkariert. Recht hat Keiner oder Jeder. Es ist die Frage der Einstellung, die die Ergebnisse beeinflusst. Stelle ich mich darauf ein, dass der Nachbar oder Kollege kleinkariert ist, werde ich verstärkt diese Elemente wahrnehmen. Denselben Effekt erleben wir beim Kauf eines neuen Autos.  Schon im Vorfeld und nach der Entscheidung über Marke, Typ und Farbe stellen wir fest, dass ganz plötzlich 100erte Fahrzeuge eines noch so exotischen Fahrzeugs unterwegs sind. Bildlich gesprochen sind in unserem Gehirn Sensoren, die wir auf einen PW oder auf KLEINKARIERT einstellen. Das Ergebnis liegt auf der Hand, indem wir verstärkt auf diese Reize reagieren. Ein Schweizer der seine Einsteller auf: Deutsche sind arrogant gestellt hat, wird zuerst wahrnehmen, was und wie an dem Gegenüber alles arrogant ist. Klar ist, dass jeder von uns mit einer Portion Arroganz ausgerüstet ist. Selbst bei wenig davon, wird es schnell viel, wenn ich nur das sehe worauf ich eingestellt bin. Wissenschaftlich ist das schon 1000fach nachgewiesen, dass das so ist. Wenn wir aus den Medien vernehmen, dass Schweizer bescheidener sein sollen als Deutsche, wird diese von aussen auf uns wirkende Einstellung oder Beeinflussung, dazu führen, dass wir die Beweise für diese Bescheidenheit einfacher erkennen und erkennen wollen!

Dieser äusseren Einstellung kann jeder seine eigene Einstellung gegenüberstellen und Er und Sie kann sie auch ändern. Nicht immer, sondern immer öfter ist es notwendig die eigene oder aktuelle Einstellung zu überprüfen. Gerade im Zusammenhang im Umgang miteinander und insbesondere im Schweizerischen – Deutschen Verhältnis. Dazu ist es hilfreich diese Einstellung erst mal zu lokalisieren und ganz bewusst wahrzunehmen.

Im Seminar arbeiten wir dabei mit einer so genannten «Spontan» Liste. Einfach einen Satz ergänzen, ohne lange Nachzudenken – notieren, was einem zuerst in den Sinn kommt!

Ein Beispiel aus einem Seminar:

Ein Teilnehmer schrieb unter anderem in seine Spontanliste:

«Mein Leben ist für mich derzeit wie eine Hühnerleiter. Von oben bis unten beschissen!»

In Ruhe darüber nachgedacht hatte er gerade einen Rosenkrieg hinter sich und berufliche Probleme. Was er sich wünschte, weil er verständlicherweise seine aktuelle Haltung ändern wollte, schrieb er dann als  WUNSCH auf:

«Mein Leben ist für mich derzeit offen für neue Chancen!»

Er setzte sich am Abend zwei Stunden vom Seminargeschehen ab und kam am anderen Morgen mit einer zufriedenen Miene zurück und verkündete, dass er jetzt eine Menge zu tun hat und das Thema Beziehung unbelastet ganz neu angehen kann.

Eine von mehreren Möglichkeiten die Einstellung zu ändern ist, wie es der Teilnehmer tat, eine Art Wunschliste anzufertigen.

«Schweizer sind für mich höflich und zuvorkommend!»

«Deutsche sind für mich diszipliniert und fleissig!»

Was für eine tolle Einstellung!

Schon habe ich eine andere Einstellung, wenn ich eine will, die den Umgang miteinander erleichtert.

Klar ist, dass die geänderte Einstellung, wie alle Einstellungen, Ergebnisse nur beeinflussen. Trotzdem wird es in beiden Lagern solche, andere und Berufspessimisten geben, die wir nicht ändern können. Erst die Taten werden messbares Hervorbringen.

Stellen wir uns persönlich darauf ein, dass Schweizer eben anders sind und Deutsche auch. Wobei die historischen und kulturellen Differenzen klein und fein sind.

Stellen wir uns weiter darauf ein, die im menschlichen Miteinander wirkenden Werte wie Toleranz, Aufrichtigkeit, Wertschätzung, Respekt und Anerkennung in den Vordergrund zu rücken, damit uns der Umgang miteinander noch besser gefällt.

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Theo H. Koch

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