Wirtschaftsrecht, Finanzen
Veröffentlicht vor 5 Jahre, 1 Monat

Die Bürde des Erbens

Das Drama der verstrickten Familiensysteme
„Die Sorgen möchte ich haben“, werden sicherlich die Enkel in manchen Familienunternehmen angesichts der Diskussion über die Spitzengehälter für Manager denken. Denn anders als die hoch dotierten, auf Zeit angestellten Führungskräfte sind sie nicht nur ökonomisch, sondern auch emotional an ihr Familienunternehmen gebunden. Und an ihrem Erbe haben manche Enkel derzeit heftig zu knabbern.

Die Grossväter haben als erfolgreiche Firmengründer einen Ehrenplatz in der Ahnengalerie sicher. Die Väter gelten im Betrieb und in der Familie in der Regel als die Superstars, weil sie in den zurückliegenden Boom-Zeiten Grossvaters Start-Up-Unternehmen zur wirtschaftlichen Blüte mit satten Renditen geführt haben. Was Grossvater gegründet und der Vater zum Erfolg geführt hat, muss in den stagnierenden Märkten von heute mit allen Merkmalen und Begleiterscheinungen des Verdrängungswettbewerbs nun der Enkel sanieren. Und es macht bestimmt niemandem Freude, einen verdienten Mitarbeiter, der einem womöglich noch als Lehrling im elterlichen Betrieb auf die Sprünge geholfen hat, nun aus wirtschaftlichen Gründen entlassen zu müssen.


Mit allen Vorteilen ausgestattet

Kaum ein Gründerenkel kann sich der Frage entziehen, ob er die Familientradition fortführen möchte. Diese Frage wird sich heute allerdings wesentlich differenzierter stellen als noch in der zweiten Generation. Und auch die Väter sehen dies inzwischen sachlicher. Es kann ja auch keine Garantie dafür geben, dass Familienmitglieder besser geeignet sind, das Unternehmen zu führen als Externe. Hier hilft eine nüchterne Bewertung der Situation sehr. In manchen Familienverfassungen findet sich dieser Punkt unter dem Stichwort „Equal Right“. Der eigene Nachwuchs soll bei gleicher Qualifikation den Vorzug erhalten, wobei die Betonung auf „gleiche Qualifikation“ liegt.


In der Regel wird allen „Enkeln“ die Chance in die Wiege gelegt, sich von Kindesbeinen an gründlich mit den Besonderheiten ihres Metiers vertraut zu machen. Doch der Weg an die Spitze eines Familienunternehmens ist weit weniger klar vorgezeichnet, als man es gemeinhin annimmt. Während sich für den Einen diese Frage niemals ernsthaft gestellt hat, nicht ins eigene Unternehmen zu gehen, ist das „Ja“ für den Anderen oft schwierig und mit hohen emotionalen Belastungen verbunden. So finden sich in Gesprächen mit Nachfolgern Aussagen wie „Ich habe schon meine Ausbildung so gewählt, dass ich in die zukünftige Aufgabe hinein wachse“. Aber eben auch:„An der Seite meines Vaters hätte ich mir niemals die Führung unseres Familienunternehmens vorstellen können, dafür sind wir viel zu unterschiedlich.“


Kein Zwang zur Nachfolge

Wenn es zu einem solchen Konflikt kommt, muss eine klare Entscheidung getroffen werden, entweder zugunsten einer Familien- oder zugunsten einer Managementlösung. Gute „Väter“-Unternehmer öffnen ihren Kindern realistisch die Welt. Unternehmertum im eigenen Betrieb ist dabei eine schöne, aber eben eine von vielen Möglichkeiten. Es ist aber nicht zwingend, denn das Führen eines Familienunternehmens muss ja nicht unbedingt in den Fähigkeiten der Kinder angelegt sein. Das Beste ist es, dies als Option anzubieten. 


Nicht immer geht der Zeitpunkt der Verantwortungsübergabe mit einem Generationswechsel einher. Die parallele Tätigkeit von Nachfolger und Vater und/oder Mutter erfordert viel psychologisches Geschick von beiden Seiten, damit sich beide Generationen ergänzen statt behindern. In der Regel findet aber die echte Stabsübergabe erst mit dem offiziellen Ausscheiden der elterlichen Generation statt. Eine besondere Herausforderung stellt die Übernahme der Geschäftsführung dar, wenn sie aus gesundheitlichen Gründen plötzlich und unerwartet eintritt. Oft muss dadurch eine geplante Ausbildung verkürzt oder gar abgebrochen werden, der Eintritt ins Familienunternehmen kommt für alle Beteiligten ungeplant. In der Situation ist es sicherlich sehr hilfreich, wenn dem Nachfolger ein erfahrener Geschäftsführer (bei entsprechender Aufgabenabgrenzung) zur Seite stehen kann, dem er vertraut. Dennoch gilt: Nichts erzwingen, nur weil man sich als Senior wünscht, dass alles in der Familie bleibt.


Neue Situation erfordert Mut

In jedem Fall bringt der Arbeitsalltag in der Nachfolge eines erfolgreichen Familienunternehmers erhebliche Herausforderungen mit sich. Diese Erfahrung machen unisono alle Nachfolger, wie Gespräche zeigen. Während der – latent fast immer vorhandene, aber meist unausgesprochene – Vater-Sohn/Tochter-Konflikt allein schon Anlass genug für Zündstoff gibt, stehen die meisten Nachfolger heute wirtschaftlichen Problemen gegenüber, die die Väter nie kannten. Dies gibt der momentanen Situation eine besondere Brisanz.


Emotionale Verbändelung belastet

In einem Familienunternehmen lassen sich Unternehmensstandort und -philosophie ganz anders erhalten als in einem Kapitalmarktunternehmen. Doch während hier externe Manager emotional unbelastet Entscheidungen treffen können, die betriebswirtschaftlich notwendig sind, ist dies für die Nachfolger wesentlich schwieriger. Als Familienunternehmer kennt man die Einzelschicksale im Unternehmen persönlich und wartet schon einmal etwas länger mit unpopulären Massnahmen – manchmal zu lange. 


Eine gewisse Portion Härte ist dabei erforderlich. Wenn es für ein Unternehmen ums Überleben geht, dann wird es aller Wahrscheinlichkeit nach nicht mit allen Mitarbeitern an Bord weitergehen. Doch auch solch schwierige Phasen kann man in Familienunternehmen gut meistern, wenn alle Beteiligten von der Notwendigkeit der manchmal sehr schmerzhaften Entscheidungen überzeugt sind. Es braucht klare Regeln, die dann ohne Wenn und Aber eingehalten werden.


Verstrickte Familiensysteme

Es ist das Dilemma von Familienunternehmen, ein „Drama der verstrickten Systeme“, dass Betrieb und Familie untrennbar miteinander verbunden sind. Der Nachfolger ist eben gleichzeitig der Sohn oder Tochter und dies wird auch so bleiben. Auch hier unterscheiden sich die Nachfolger oft von ihren Eltern: Während die Eltern betriebliche und familiäre Belange so eng miteinander verbunden haben, dass es oft gar keine anderen Themen mehr gab – was die Kinder sehr belasten kann –, versuchen viele Nachfolger, diese Themen eher etwas voneinander zu trennen.


Und doch: Es gibt nichts Schöneres, als das eigene Unternehmen in die kompetente Hand der Kinder zu geben. Dies bleibt ganz sicher unbestritten der Traum jedes Familienunternehmers.

Kontaktinfo

Vera Knauer

Name Vera Knauer
Position CEO Weissman Suisse AG
Firma Weissman Suisse AG
Adresse Limmatquai 84
CH-8001 Zürich

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