Wirtschaft
Veröffentlicht vor 4 Jahre, 11 Monate

Die Krise des US-Dollars

Euro-Aufwärtstrend vorläufig gestoppt

Nachrichten am Freitagabend den 6.Mai, dass die Verschuldung Griechenlands wesentlich höher sei als bisher vermutet, dass eine Umschuldung nun doch bevorstehe und die Finanzminister und Zentralbankratsmitglieder zu einer Krisensitzung zusammenkommen werden, haben den Aufschwung des Euro gegenüber dem US-Dollar zunächst gestoppt.

Dabei wird in der Diskussion um den Euro immer wieder übersehen, dass der US-Dollar viel stärker gefährdet ist, weil die Verschuldung in den USA  durchaus mit Staaten von Griechenland oder Portugal vergleichbar ist. Immerhin hat die EZB mit einer vorsichtigen Anhebung der Leitzinsen begonnen. Aber in den USA geht die Geldvermehrung ungebremst weiter. Deutlich wird das vor allem, wenn man sich den Zinsabstand zwischen Euro- und Dollarzinsen im kurzfristigen Bereich ansieht.

Standen vor einem Jahr die Dollar- und Eurozinsen für 12-Monats-Kredite noch auf gleicher Höhe, werden inzwischen für den Dollar wesentlich weniger Zinsen geboten. Eigentlich müsste es ja umgekehrt sein; die schwache Währung müsste mehr bieten! So entsteht kein Vertrauen.

Zum Glück für den Dollar gibt es die Schuldenkrise Griechenlands, Irlands und Portugals. Das lenkt dann wieder ab und gibt dem Dollar eine Verschnaufpause. Wie lange das noch gut geht, weiß selbstverständlich niemand. Die Zinswende der Europäischen Zentralbank EZB wird diesen Negativ-Trend des Dollars nun noch einmal verstärken, solange die US-Zentralbank FED nichts tun will.

Im Sommer 2008, als die Konjunktursignale schon deutlich nachgelassen und einzig die Rohstoffpreise zu steigenden Teuerungsraten geführt hatten, geriet die EZB wegen ihrer unglücklichen Zinsanhebung noch in die Kritik. Doch momentan ist die EZB dagegen noch immun, denn das Zinsniveau bleibt ja niedrig und hält gewiss noch kein Unternehmen von seinen geplanten Investitionen ab.

Was allerdings die europäische Exportwirtschaft betrifft, sind die Auswirkungen der zunehmenden Euro-Stärke recht klar: Die Unternehmen werden eher früher als später unter der Aufwertung leiden, vor allem dann, wenn der Zinsabstand zum Dollar noch weiter zunehmen sollte.

Denn was einst für die Deutsche Mark und die deutsche Exportwirtschaft galt, trifft nicht auf die Gesamtheit der Eurozone zu. Eine „harte“ Währung, wie früher die DM und heute der Euro, kann für Exportunternehmen zwar wie eine „Peitsche“ wirken, noch wettbewerbsfähiger zu werden, etwa durch Qualitätsverbesserungen, da nur so Marktanteile gehalten oder gesteigert werden können, obwohl die Produkte wegen der Währungsaufwertung im Vergleich zur Konkurrenz teurer werden.

Doch dies ist immer nur eine mögliche Strategie für bereits starke Export-Länder mit Unternehmen, die nicht nur über funktionierende Märkte verfügen, sondern die auch schon an der Spitze der technologischen Entwicklung in ihrer Branche stehen.

Gerade auf die Sorgenkinder in der Eurozone, wie Griechenland oder Portugal, trifft das aber nicht zu.

Wenn die EZB die Zinswende weiterführt und die US-Notenbank FED bei ihrer Niedrigzinspolitik bleibt, wie sie ja zuletzt angekündigt hat, dann kann die Belastung für Europas Exportbranche freilich schnell zum Problem werden. Länder wie Deutschland, die wegen ihrer starken Exportquote die Wirtschaftsdaten der Eurozone deutlich verbessern, könnten dann in Bedrängnis kommen..

Der US-Dollar schwächelt auf breiter Front

Was den Aktienmarkt betrifft, war ein starker Dollar (und ein schwächerer Euro) in der Vergangenheit in der Regel mit steigenden Aktienkursen verbunden.

Zuletzt hatte dies zwar keinen großen Einfluss mehr auf die Weltbörsen. Aber den Dollar als Indikator nun gar nicht mehr zu beachten, wäre zwar gewiss ein Fehler, doch angesichts der US-Geldpolitik mag seine Funktion als Warnsignal für Aktien gelitten haben.

Aber wie schwach ist der Dollar nun tatsächlich? Um den wirklichen Trend der Währung „US-Dollar“ fair bewerten zu können, reicht nicht nur der Vergleich mit einer einzigen anderen Währung aus, wie bspw. mit dem japanischen Yen. Um die Entwicklung des US-Dollars wirklich einordnen zu können, müsste man den Dollar mit vielen Währungen vergleichen und nicht nur mit einer einzigen.

Zu diesem Zweck hat man einen Währungskorb geschaffen, in dem sechs verschiedene Währungen unterschiedlich stark gewichtet sind. Dieses Währungsbündel wird dann mit dem Dollar verglichen; hierzu zählen der Euro (Gewichtung 57,6%), der japanische Yen (13,6%), das britische Pfund (11,9%), der kanadische Dollar (9,1%), die schwedische Krone (4,2%) und der Schweizer Franken (3,6%). Das Ergebnis spiegelt sich im sogenannten „US-Dollar-Index“ wider, der nun in der vorangegangenen Woche auf seine Tiefs von 2008 und 2009 gesunken ist.

Wie langfristig dieser Abwärtstrend nun aber tatsächlich ist, wird sich noch zeigen müssen, denn immerhin schwankt der US-Dollar-Index nun seit gut fünf Jahren zwischen den Werten 70 und 90 und bewegt sich damit in langfristiger Perspektive bisher eher seitwärts als abwärts.

Gut, letztlich wird der Dollar zum Euro freilich schwach bleiben, solange die US-Notenbank die Zinsen nicht anhebt. Doch von dieser Schwäche profitieren auch die großen US-Aktiengesellschaften, da sie im Vergleich zum Großteil der restlichen US-Wirtschaft freilich allesamt im Export tätig sind.

Sorgen bereitet die Dollar-Schwäche allerdings, weil sie wohl auch weiterhin von hohen Rohstoff- und Energiepreisen begleitet werden wird. Das Hoch des Ölpreises im Jahr 2008 und das Tief des US-Dollar-Index zur gleichen Zeit sind wohl kein Zufall.

Aber wie der US-Dollar-Index ebenso zeigt, lässt sich insgesamt noch nicht von einem Dollar-Verfall sprechen; der Dollar wird also noch für lange Zeit Weltreservewährung bleiben.

Uwe Lang, Martin Blaschke

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Uwe Lang

Name Uwe Lang
Position SWISSINVEST Redaktion Börsensignale
Firma Institut für angewandte Finanzmarktanalysen
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