Finanzen
Veröffentlicht vor 2 Jahre, 2 Monate

Keine Angst vor SEPA

SEPA: ein Begriff, der für Unsicherheit im E-Commerce sorgt. Viele Onlinehändler befürchten, dass die geplante SEPA-Umstellung im August 2014 zu Umsatzeinbußen führt. Aber ist diese Angst gerechtfertigt? Welche Auswirkungen hat SEPA tatsächlich auf den Handel im Internet? Bei näherer Betrachtung zeigt sich: Wer mit einem Payment Service Provider zusammenarbeitet, muss sich keine Sorgen machen.

Was bedeutet SEPA überhaupt?

SEPA ist die Abkürzung für Single European Payments Area und umfasst den gesamten Euro-Zahlungsraum, dem insgesamt 34 Staaten angehören. Mit der Entscheidung für SEPA Anfang 2008 verfolgt die Europäische Union das Ziel, im gemeinsamen europäischen Markt für mehr Wettbewerb und Effizienz zu sorgen – mithilfe einheitlicher Verfahren und Standards für die Abwicklung von Zahlungen. Es ist geplant, dass die SEPA-Lastschrift und die SEPA-Überweisung vom 1. August 2014 an gelten. Von diesem Zeitpunkt an soll es keine nationalen Lastschrift- und Überweisungsverfahren mehr geben. Auch für innerdeutsche Transaktionen bedeutet dies: Kontonummer und Bankleitzahl werden durch die internationale Kontonummer IBAN ersetzt. Die 20-stellige IBAN (International Bank Account Number) setzt sich aus der bisherigen Kontonummer, der alten Bankleitzahl, einer Prüfnummer und einer Länderkennung zusammen. So sind jedes Kreditinstitut und jedes Konto im europäischen Zahlungsraum anhand der IBAN eindeutig zu identifizieren. Allerdings müssen sich Onlinehändler wegen der Frist keine Sorgen machen: der Lastschrifteinzug und die Überweisung per Kontonummer und Bankleitzahl werden noch bis 1. Februar 2016 möglich sein.

Neues Dateiformat

Eine weitere Änderung betrifft das Format, das Lastschriften und Überweisungen zugrundeliegt. Bisher unterstützte jedes Land ein anderes Format. In Deutschland wird das bisherige Dateiformat durch das internationale XML-Format ISO-20022 abgelöst. Bereits seit 2010 müssen alle europäischen Unternehmen ihre Kontoangaben für den Lastschrifteinzug und für den Erhalt von Überweisungen entsprechend angepasst haben. Trotz dieser Vorgabe ist die Umstellung noch nicht in allen Ländern vollzogen.

Zahlungsdienstleister haben vorgesorgt

Was aber bedeutet die geplante SEPA-Umstellung für den E-Commerce? Wenn Onlinehändler bereits mit einem Payment Service Provider (PSP) zusammenarbeiten, sind sämtliche Sorgen unbegründet: es bleibt für sie alles beim Alten. Schließlich ist es der PSP, der seine Backend-Systeme umstellen muss, um für seine Kunden SEPA-konforme Lastschriften und Überweisungen abwickeln zu können. Dass PSPs die Umstelllung auf SEPA nicht rechtzeitig gelingt, ist nicht zu befürchten. Ganz im Gegenteil: Seit Ende 2010 führen die meisten Zahlungsdienstleister im Euro-Raum auch SEPA-Lastschriften durch, sofern sie Inlandslastschriften in Euro abwickeln. Auch für die Abwicklung von SEPA-Überweisungen haben PSPs die notwendigen technischen Voraussetzungen geschaffen. Es ist möglich, Gelder auf Konten im europäischen Ausland zu überweisen, ähnlich einer internationalen Vorkasse. Da Zahlungen per Vorkasse bisher nur in Deutschland und Österreich gängig sind, hat die geplante Einführung der SEPA-Überweisung das Potenzial, das Zahlungsverhalten in Europa zu verändern: Wenn Händler ihre Produkte im Ausland verkaufen, müssen sie für die Zahlungsabwicklung kein nationales Konto mehr angeben, sondern können Überweisungen auch auf dem Konto in ihrem Heimatland empfangen – und das zum Preis einer Inlandsüberweisung.

Lastschriftmandat als Hürde im E-Commerce?

Trotz aller Vorteile ist nicht auszuschließen, dass die geplante SEPA-Umstellung Schwierigkeiten mit sich bringen kann. Im Gegensatz zum stationären Handel besteht im E-Commerce kein direkter Kontakt zwischen Händler und Kunde, die Zustellung der Ware übernimmt ein Paketdienst. Dieser Distanzhandelscharakter könnte Probleme verursachen. Nach der SEPA-Umstellung soll bei neuen Vertragsabschlüssen ein Lastschriftmandat mit Originalunterschrift erforderlich sein, das den Onlinehändler als Zahlungsempfänger dazu ermächtigt, den Rechnungsbetrag vom Konto seines Kunden einzuziehen. Ob das Mandat auf Papier oder im PDF-Format vorliegen soll, ist noch unklar. So oder so – es handelt sich dabei um ein im E-Commerce nicht praktikables Verfahren. Für die so dringend erforderliche Nachbesserung setzt sich neben dem Deutschen Bundestag, dem Bundesfinanzministerium und der Deutschen Bundesbank nun auch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) ein: Lastschriften sollen auch nach der SEPA-Umstellung wie bisher in Deutschland üblich mandatiert werden können. Wie auch immer die Entscheidung in diesem Bereich aussehen mag: Was das SEPA-Lastschriftmandat angeht, sind Onlinehändler mit einem PSP ohnehin auf der sicheren Seite. Wie gewohnt behält ein SEPA-Lastschriftmandat seine Gültigkeit grundsätzlich so lange, bis es der Kunde widerruft. Doch anders als heute verfällt es, falls der Zahlungsempfänger drei Jahre nach dem letzten Lastschrifteinzug keine Folgelastschrift einreicht.

Mögliche Stolpersteine

Das geplante Lastschriftmandat ist der Punkt, an dem sich SEPA als Erfolg oder Misserfolg messen lassen muss. Denn neben der voraussichtlich benötigten Originalunterschrift könnte das Mandat als solches zum Problem werden. Obwohl in allen europäischen Ländern auch heute schon ein Mandat für den Lastschrifteinzug erforderlich ist, gibt es einige Länder, in denen eine Abbuchung ohne die explizite schriftliche Zustimmung des Kunden gängige Praxis und entsprechend geduldet ist. Zu diesen Ländern zählen neben Deutschland auch Österreich, Spanien und die Niederlande. Sollten Händler ab 1. Februar 2014 eine Abbuchung ohne Mandat vornehmen, können Kunden 13 Monate lang Widerspruch einlegen – bisher sind es nur sechs Wochen. Man muss sich nur den Aufwand vorstellen, den das Einholen eines Mandats mit Originalunterschrift verursacht, um zu erkennen, dass an dieser Stelle Optimierungsbedarf besteht: der Kunde kauft ein Produkt im Onlineshop, und der Händler schickt ihm ein Mandatsformular zu. Der Kunde füllt das Formular aus und schickt es zurück an den Händler. Auf dieser Basis darf dieser dann den Rechnungsbetrag einziehen, muss das Mandat aber für zehn Jahre aufbewahren. Das Ergebnis: lange Lieferzeiten und riesige Papierberge. Und es gibt eine weitere Hürde. Geplant ist, dass Onlinehändler ihre Kunden spätestens 14 Tage im Voraus über eine fällige Lastschrift informieren müssen (Pre-Notification). Das würde bedeuten, dass Kunden zukünftig so lange auf ihre Bestellung warten müssen, bis der Onlinehändler sie über die anstehende Abbuchung informiert und den Betrag eingezogen hat ¬ also mindestens zwei Wochen. Den E-Commerce in seiner bekannten Form, mit Lieferzeiten von ein bis zwei Werktagen, würde diese Richtlinie völlig auf den Kopf stellen. Doch es besteht Hoffnung, dass auch diese Vorgabe nicht umgesetzt wird: Es ist eine Lösung in Sicht, nach der man die Frist der Pre-Notification beliebig verkürzen können wird.

Die Chance ergreifen

Die Weichen sind gestellt. Dass die geplanten Richtlinien allesamt 1:1 umgesetzt werden, ist fraglich. Die große Unbekannte sind die Banken. Es ist durchaus denkbar, dass sie Ausnahmen, wie die bisher in Deutschland und anderen Ländern praktizierte Abbuchung ohne Mandat, dulden werden. Onlinehändler können nur abwarten und die Voraussetzungen dafür schaffen, dass sie ab 1. August 2014 SEPA-konform arbeiten, etwa indem sie ihr Dateiformat auf den XML-Standard umstellen. Unternehmen, die in mehreren Ländern tätig sind, können so ihren Aufwand für Formatpflege und Systemverwaltung spürbar reduzieren. Und sie sollten nicht vergessen, dass ihnen die europaweite SEPA-Lastschrift auch Chancen bietet. In einigen Ländern, darunter Frankreich, gibt es heute keine E-Commerce-fähige Lastschrift. Dank SEPA werden Onlinehändler dann neue Käufergruppen erschließen können. Hierfür sollten sie schon heute auf allen Rechnungen und Dokumenten neben der bisherigen Bankverbindung die IBAN angeben. Und darüber hinaus gilt: Wer schon heute mit einem Payment Service Provider zusammenarbeitet, muss sich ohnehin keine Sorgen machen.

Kontaktinfo

Mirko Hüllemann

Name Mirko Hüllemann
Position Geschäftsführer
Firma Heidelberger Payment GmbH
Adresse Vangerowstraße 18
D-69115 Heidelberg
Telefon +49 (0)62 216 517 020
Online info@heidelpay.de
www.heidelpay.de
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