Wirtschaft
Veröffentlicht vor 5 Jahre, 6 Monate

„Nach Golde drängt, am Golde hängt doch alles…“

Goethes Ausführungen aus dem Faust zum Gold scheinen heute aktueller denn je. Der Goldpreis erlebt nun bereits seit zehn Jahren einen fulminanten Kursanstieg – und ein Ende der Goldhausse scheint nicht in Sicht zu sein.

In unzähligen Veröffentlichungen der Presse herrscht unter den Goldexperten die einhellige Meinung, Gold ist nach wie vor niedrig bewertet und bietet noch viel Potenzial. Ein eventueller Kursrückgang sollte daher zu weiteren Zukäufen genutzt werden. Gründe dazu werden zum Einen in der weiter bestehenden Vertrauenskrise einzelner Mitgliedsstaaten der Europäischen Union gesehen und damit verbunden auch in der Gemeinschaftswährung des Euro. Zum Anderen werden die stark erhöhten Staatsverschuldungen und Haushaltsdefizite wichtiger Industrienationen angeführt. Ein in den Medien stark verbreitetes Szenario einer kommenden kräftigen Inflation treibt die Goldnachfrage zusätzlich an.

Bevor wir uns mit diesen Argumenten auseinandersetzen, möchte ich Ihnen zuerst die fundamentalen Fakten zum Gold darlegen. Die ersten geschichtlichen Goldfunde reichen bis zu 4.500 Jahren zurück. Gold galt stets als Symbol für Reichtum und Wohlstand. Die Gier nach Gold führte in der Geschichte zu vielen Kriegen, Plünderungen und Eroberungszügen. Im 19. Jahrhundert lockten Goldfunde in den USA, Australien und Südafrika Heerscharen von Goldsuchendenin diese Gebiete, in der Hoffnungschnell reich zu werden.

Wurde zu Zeiten des Römischen Reichesnoch eine Jahresproduktion von 8 TonnenGold erreicht, sank die Förderung, aufgrund des immer schwierigeren Zugangs zu den Goldadern im Mittelalter auf nur noch 3 Tonnen. Erst mit zunehmender industrieller Ausschöpfung der Goldminen und der Kolonialisierung wurde ab 1900 die Goldproduktion kräftig gesteigert. Schätzungen der amerikanischen United States Geological Survey (USGS) zufolge liegt die Gesamtfördermenge von Gold in der Menschheitsgeschichte bis heute bei ca. 165.000 Tonnen. Im Jahr 2009 wurden weltweit 2.350 Tonnen Gold gefördert.Diese Fördermenge ist seit 1990 relativ konstant geblieben.

Das Land mit der höchsten Goldfördermenge ist seit 2007 China. In 2009 wurden hier 314 Tonnen des begehrten Edelmetalls abgebaut. Heute sind in China über 700 offiziell registrierte Gold-Produzenten tätig und die Tendenz ist aufgrund des hohen Goldpreises stark steigend. Südafrika, bis dahin über Jahrzehnte der Spitzenreiter bei der Förderung, verzeichnet nun schon seit 1970 einen stetigen Rückgang seiner Förderquote. Konnte Südafrika noch 1970 eine Jahresproduktion von über 1.000 Tonnen aufweisen, erreichte das Land 2009 nur noch einen Ausstoss von 210 Tonnen. Weitere nennenswerte Abbauländer sind Australien, USA, Russland und Peru.

Produktionskosten für Goldsteigen

Die dazu veröffentlichten Angaben beziehen sich immer, wie auch beim veröffentlichten Goldpreis, auf eine Feinunze Gold in US-Dollar. Eine Feinunze entspricht 31,10 Gramm Gold. Die Produktionskosten für Gold können je nach Lagerstätte und eingesetztenTechnologien sehr stark variieren. Während diese in hoch technisierten Minen im Untertagebau in Südafrika im ersten Quartal 2010 bei 780 US-Dollarje Unze lagen, betragen die Kosten in Australien ca. 635 US-Dollar je Unze. In Lateinamerika sogar nur 371 US-Dollar. Berücksichtigt werden muss hier aber auch die Entwicklung der einzelnen Landeswährungen. Beispielsweise hat sich der südafrikanische Rand zum US Dollar stark aufgewertet und führt somit zu einer höheren Belastung der südafrikanischen Minen. Weltweit muss heute immer tiefer ins Erdinnere vorgedrungen werden, um an das begehrte Edelmetall zu gelangen. War es in Südafrika bis 1970 noch möglich, Gold im Tagebau abzubauen, muss heute teilweise bis zu 4.000 Meter tief geschürft werden. Das erhöht die Förderkosten natürlich dramatisch, zumal der Goldabbau sehr energieintensiv ist und sich weltweit die Kosten für Energie im letzten Jahrzehnt kräftig erhöht haben. Vergleicht man die Produktionskosten von 1999, die damals bei 280 US-Dollar lagen, mit den heutigen, die durchschnittlich bei ca. 600 US-Dollar je Feinunze liegen, erklärt sich schon daraus ein guter Teil des Goldpreisanstieges.

Die Goldförderer und ihre Entwicklung

Würde der Goldpreis sich nur nach Angebot und Nachfrage aus der Industrie und Wirtschaft richten, müssten, neben den bereits angeführten Währungseffekten der einzelnen Länder, die Goldförderer ähnlich stark vom steigenden Goldpreis profitieren oder aber bei einer Nachfrageschwäche darunter leiden.Natürlich spielt hier auch eine entscheidende Rolle, wie die einzelnen Unternehmen aufgestellt sind, wie sie finanziert sind und über welches Know-how sie verfügen. Gold, als reiner Rohstoff betrachtet, würde dann dieselben konjunkturellen Schwankungen durchleben wie beispielsweise Nickel, Kupfer oder Blei. Betrachtet man die Kursentwicklung der drei führenden Goldminenbetreiber, Barrick Gold (Kanada), AngloGold Ashanti (Südafrika) und Newmont Mining (USA) mit der Goldpreisentwicklung seit Ende 1999, erkennen Sie deutlich, ab wann Gold zur Spekulationswährung gegen die Ängste und Sorgen der Anleger wurde. Ab 2006, beginnend mit der zunehmenden Schwäche des US-Dollars, koppelt sich der Goldpreis von der Aktienkursentwicklung der Goldminen ab bzw. folgt diesem bei weitem nicht mehr so wie in den Jahren zuvor.

Industrielle Goldnachfrage und neue Anlageprodukte

Die Nachfrageseite bei Gold hat sich im letzten Jahrzehnt erheblich verändert. War früher die Schmuckindustrie der eigentliche Treiber der Goldnachfrage, so treten heute neue ETF-Fonds und andere Goldfonds immer stärker auf der Käuferseite in Erscheinung. Weltweit halten Goldfonds im ersten Quartal 2010 knapp 1.800 Tonnen Gold. Schweizer Gold ETF-Fonds unterscheiden sich hier von vielen anderen Gold-Anlageprodukten, da sie nur direkt in den einzigen Basiswert, eben Gold, investieren dürfen. Diese Fonds sind also auch physisch mit Gold hinterlegt. Alleine die Züricher Kantonalbank verfügt bei seinem seit 2006 laufenden Gold ETF derzeit über 168 Tonnen Gold, die in den Tresoren der Bank gelagert werden. Die globale Goldnachfrage der Finanzindustrie stieg von 2003, damals wurden 39 Tonnen nachgefragt, auf stolze 595 Tonnen in 2009.

Die Schmuckindustrie,früher für über 70% der Nachfrage verantwortlich, rücktderzeit immer weiter in den Hintergrund. In 2009 erreichte hier die Nachfrage nur noch 45% vom weltweiten Goldangebot. Aufgrund des immer teurer werdenden Goldschmuckes ist es nicht verwunderlich, dass die Nachfrage in den „Schmucknationen“ Indien und China sinkt. Die Elektroindustrie und die Zahnmedizin blieben relativ konstant in ihrer Nachfrage nach Gold. Lediglich der Einzelhandel verbucht seit 2008 ebenfalls eine rege Goldnachfrage.

Ein bedeutender Teil der geförderten Goldmengen lagern in den Zentralbanken der einzelnen Länder. Bis zum Beginn der siebziger Jahre waren alle wichtigen Währungen dem Bretton-Woods-Abkommen verpflichtet. Jede dieser Währungen musste mit Gold hinterlegt werden. Das Abkommen wurde im Juli 1944 von 44 Nationen beschlossenen und als System fester Wechselkurse bezeichnet, welches Goldparitäten und die volle Konvertibilität des US-Dollar als Leitwährung vorsah. Ziel des Abkommens war es, nach dem Zweiten Weltkrieg den internationalen Handel durch berechenbare Währungsbeziehungen zu unterstützen. Nachdem bereits lange Zeit zuvor eine Unze Feingold mit einem Preis von 20,67 US-Dollar festgesetzt war, wurde dieser Preis 1944 auf 35 US-Dollar angehoben und von den USA garantiert. Dieser Preis galt bis zur Auflösung des Abkommens 1973.

Noch heute halten viele Nationen grosse Goldbestände und diese stellen somit ein Teil des Volksvermögens dar. Sie sollen Sicherheit und Stabilität der Länder darstellen. Über diesen Sinn kann man trefflich streiten. Betrachtet man die Verschuldung einzelner Staaten, wäre ein Teilverkauf der Goldreserven keine schlechte Option. Zumal der heutige Goldpreis riesige Gewinne im Vergleich zu den Einkaufspreisen von damals darstellt. Aber hier liegt auch gleich wieder das Problem! Sollten mehrere Zentralbanken gleichzeitig grössere Mengen des Edelmetalls verkaufen wollen, würden die Preise kräftig ins Rutschen geraten.

Die grössten Goldreserven halten die USA, Deutschland, Italien, Frankreich und China. Platz sechs belegt die Schweiz. Zusätzlich halten Organisationen wie die Europäische Zentralbank und derI nternationale Währungsfonds ebenfalls nennenswerte Mengen an Gold. Weltweit lagern derzeit insgesamt 30.462 Tonnen Gold in den Tresoren der Zentralbanken.

Gold ins Depot? Ja! Aber nicht um jeden Preis.

Gold ist eine Krisenwährung und erlebteben in Zeiten der wirtschaftlichen Unsicherheit einen starken Aufschwung. Ein sehr bedeutender Teil des heutigen Goldpreises ist also spekulativ getrieben von der Angst vor Währungszusammenbrüchen, vor Hyperinflation und de rSorge einer erneuten Kernschmelze des weltweiten Finanzsystems. Die Gefahren einer Hyperinflation halte ich derzeit für sehr begrenzt. Ganz im Gegenteil gibt es derzeit ein Deflationsrisiko. Doch auch dies halte ich aufgrund der Zusagen alle rwichtigen Notenbanken und Regierungen, im Falle eines Falles einzugreifen, für eher gering. Die wichtigste Stabilitätssäule einer Währung heisst Vertrauen! Und eben dieses ist in den zurückliegenden Monaten des Öfteren stark ins Wanken geraten. Griechenland, Spanien, Portugal und Irland sind wohl die grössten Baustellen der Eurozone und werden in den nächsten Wochen und Monaten noch für manche turbulente Situation sorgen. Aber das wenn nötige Eingreifen der EZB und aller EU-Mitgliedsstaaten sollte mittelfristig das Vertrauen in den Euro und die EU wieder stärken.

Mit Angst lässt sich bekanntlich immer noch das beste Geschäft machen. Weltuntergangspropheten haben Hochkonjunktur– Gold-Euphoriker sehen den Goldpreis schon auf 2.000 US-Dollar steigen. Dazu passt auch die gerade veröffentlichte Nachricht, dass die Deutschen im 2. Quartal die mit Abstand eifrigsten Goldkäufer von Münzen und Goldbarren waren. Insgesamt kauften sie 44 Tonnen und damit 3 Tonnen mehr als Indien, die sonst traditionell die grössten Goldkäufer am Markt sind, gefolgt von China und den USA. Vor dem Ausbruch der Krise in 2007 kauften die Europäer ca. 10 Tonnen pro Quartal!

Es werden von den Banken und Finanzdienstleistern immer neue und kreative Produkte entworfen, die Sicherheit gegen alle möglichen Gefahren in der Zukunft bieten sollen. Verdienen tun in erster Linie die Verkäufer und Emittenten. Ähnlich verhält es sich mit dem Ver- und Ankauf von physischem Gold. Die stürmische Nachfrage hat die Aufpreise (Preisspanne zwischen An- und Verkaufspreis) kräftig steigen lassen. Bis zu 40% lag diese Differenz im Jahre 2008.

Nein, ich kann Ihnen nicht vorhersagen, wohin der Goldpreis noch steigen wird. Es ist nie vorhersehbar, wohin ein Trend, ob nun gerechtfertigt oder nicht, von der Masse der Anleger getrieben wird. Aber jeder, der heute noch Gold kauft, sollte wissen, dass er zum Höchstpreis einkauft. Er kauft etwas, was im Krisenfall bestens geschützt werden muss – vor Dieben und Plünderern. Er besitzt etwas, was von verschiedenen Regierungen in der Vergangenheit als Privatbesitz schon einmal verboten war und konfisziert wurde. Er besitzt eine Krisenwährung, die nur in kleiner Stückelung als Tauschwährung vorteilhaft ist. Und er sollte bedenken, dass Gold keine Zinsen bringt, keine Dividende ausschüttet und keinen Cash-Flow hat.

Gold als eine Depotbeimischung mit drei bis fünf Prozent desGesamtvermögens halte ich durchaus für sinnvoll. Aber bitte nicht zu Höchstpreisen kaufen! Wenn sich die Märkte zunehmend weiter stabilisieren, das Vertrauen und die Erkenntnis wieder wächst, dass auch diese Krise überstanden wird, werden der Goldpreis und die Untergangspropheten sich wiederzurückziehen. Und alle, die dann zu Höchstpreisen gekauft haben, werden mit Gretchen aus Faust das Zitat vollendenkönnen: „… Ach, wir Armen!“

-Verfasst von Uwe Lang und Steffen Prahl.

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Name Uwe Lang
Position SWISSINVEST Redaktion Börsensignale
Firma Institut für angewandte
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