Human Resource
Veröffentlicht vor 5 Jahre, 8 Monate

Anerkennung: Tool für mehr Produktivität oder angemessene Menschlichkeit?

Persönliche Frage: Haben Sie schon einmal daran gedacht, sich über Ihr Wertesystem Gedanken zu machen? Was sind Ihre fünf persönlichen Werte, die für Sie eine starke Bedeutung haben? Welche Priorität nimmt dabei Anerkennung ein? Ein Wert, über den es lohnt, ausführlich nachzudenken.

Der Sage nach wollte schon in der Antike ein Fürst die Ursprache der Menschen entdecken. Er ordnete an, dass Neugeborenen Findelkindern keinerlei Menschlichkeit, sondern nur Nahrung verabreicht und soweit erforderlich hygienische Versorgung zuteil wurde. Dieser grausame «Versuch» endete mit dem baldigen Tod dieser Armen. Heute wissen wir, wie wichtig Zuneigung und Anerkennung besonders für Kinder sind. Schon der erste Kontakt nach der Geburt soll für die Entwicklung des Babys bedeutsam sein. Das Neugeborene wird deshalb der Mutter schnellstmöglich auf den Körper gelegt, damit so früh als möglich eine erste soziale Beziehung entsteht. Spürt das Neugeborene die Anerkennung und Zuneigung und wird dessen Lebenseinstellung damit beeinfl usst? Tatsache ist, dass offensichtlich ein Mensch ein Mindestmass an Anerkennung, vielleicht sogar zum Überleben, braucht.

Anerkennung annehmen

«Ich erstrebte nichts heisser als die Anerkennung derjenigen, die mir ihren Beifall versagen», sagte einst Johann Wolfgang von Goethe. Wie erleben wir Anerkennung? Ein Applaus auf einer Familienfeier, eine anerkennende Bemerkung über unsere Kleidung – und schon geht es uns besser. Anerkennung baut uns auf und motiviert. Eine Arbeit, die mit einer Anerkennung honoriert wird, wirkt wie Balsam auf der Seele. «Toll gemacht!», sagt der Chef, und mit Elan und voller Energie wird weiter zugepackt. Sensibel und feinfühlig ist die Antenne, mit der wohlwollende Anerkennung aufgenommen wird. Wir erkennen schnell ein «Musslob» und unterscheiden zwischen herzlicher, also von Herzen kommender Anerkennung und Standardfl oskeln. Doch selbst diese gespielte Anerkennungen sind besser als keine Anerkennung. Traurig stimmt, dass von 100 Mitarbeitenden 85 wenig bis keinen Spass vermelden an dem, was sie tun! Einer der Hauptgründe für dieses Verhalten ist nach dem «Gallup Engagement Index 2006» mangelnde Anerkennung.

Als soziale Wesen brauchen wir Anerkennung. «Anerkennung bewirkt, dass das Hervorragende an den anderen auch zu uns gehört », sagte Voltair. Und: «Die Anerkennung selbst kleiner Fortschritte zieht grössere Fortschritte nach sich», meint ein unbekannter Autor.

Nehmen wir das Geschenk «Anerkennung» auch würdig an? Ein Kollege erhält zum 60. Geburtstag eine Markenuhr, für die Kollegen gesammelt haben. Im Mittelpunkt der Geburtstagsfeier stehend packt, der Jubilar die Uhr aus, sieht das teure Stück und wendet sich verschämt an die Kollegen: «Das wäre aber doch nicht nötig gewesen.» Unwillkürlich stellt sich dabei sofort die Frage: «War es wirklich notwendig, zehn Franken zu spenden oder hätten es fünf Franken auch getan?» – «Ich bezahle die Getränke!», verkündet der Freund und schon geht es los: «Nein, kommt nicht in Frage, wir sind dran!» Als Einladender fragt man sich da, was man falsch gemacht hat, diesen Freunden seine Wertschätzung, Aufmerksamkeit und Anerkennung zusätzlich mittels eines guten Weins für ein paar Franken zu schenken. Die einfachste und wirksamste Methode, eine Anerkennung anzunehmen, ist ein aufrichtiges «Danke!».

Anerkennung geben

Die Frage, leben wir glücklicher mit mehr Anerkennung, beantwortet Prof. J. Bauer in seinem Buch «Prinzip der Menschlichkeit». Bauer stellt die These auf, dass es der Kern

aller Motivation ist, zwischenmenschliche Wertschätzung und Zuwendung oder Zuneigung zu geben! Aus neurobiologischer Sicht beschreibt Bauer, dass unsere internen Motivationssysteme durch Anerkennung aktiviert werden. Er geht davon aus, dass das Gehirn gelungenes Miteinander durch Ausschüttung von Botenstoffen die gute Gefühle und Gesundheit erzeugen, belohnt. Anerkennung als Gesundbrunnen einsetzen? Fast zynisch klingt da das Zitat von Wilhelm Busch: «Neid ist die aufrichtigste Form der Anerkennung.» Und richtigerweise ist es Neid, der verdient werden muss, während Mitleid gerne verschenkt wird. Anerkennenswert ist demnach zum Beispiel, was wir an anderen Menschen schätzen.

Ein schönes Segelboot, das wir im Hafen liegen sehen, erweckt einerseits Neidgefühle, dem Besitzer zollen wir Anerkennung mit der Aussage: «Ein schönes Schiff!» Anerkennung dagegen ist immer ein Geschenk von unschätzbarem Wert, die einen Menschen aufstellt. Die fast beifällige Bemerkung über die nette Frisur, die passende Krawatte oder andere ins Auge stechenden Äusserlichkeiten vermittelt dem Adressaten einen Impuls der Wertschätzung. «Whowh! Sie haben bemerkt …»

Lob oder Kritik?

Noch intensiver wird der Impuls, wenn von einem Vorgesetzten über die getane Arbeit eine positive Anerkennung zuteil wird. Ein wahrer Orkan der Wertschätzung entwi ckelt sich, nachdem eine öffentliche Anerkennung ausgesprochen wird. Viele, die um Anerkennung ringen, bleiben jedoch nicht auf der Matte. Wenn diese besagte Matte das Mass der wie auch immer defi nierten «Normalität» sein soll, ist auch negative Anerkennung, sprich Tadel in Ordnung. Meist Feedback genannt. Vorgesetzte geben gerne Feedback, indem sie Kritik wie in ein Sandwich zwischen zwei Anerkennungen verpacken. Die Absicht dahinter ist klar, denn so ist Kritik leichter zu äussern. Der Effekt, der dabei entsteht, ist auch spürbar.

Menschen sind nicht dumm. Nachdem der Chef ein paar Mal Kritik an Anerkennung oder gar offensichtliche Komplimente gekoppelt hat, wird diese Formel von jedem durchschaut, der sie mehr als einmal gehört hat. Dann gilt: «Sobald ich Lob höre, werde ich gleich kritisiert.» Sie werden also mehr oder weniger auf ihre Inkompetenz hingewiesen. Das verändert die Bedeutung von Anerkennung nachhaltig. In unseren Seminaren haben wir die Feedbackkultur so weit geändert, dass sich die Teilnehmenden auf diese «Inkompetenz-Attacken» vorbereiten. Das entwickelten wir, nachdem wir feststellten, dass Feedbackempfänger sich mental darauf einstellen, nach einer Lobserie den Hammer der Kritik über sich niederschlagen zu sehen. Deutlich wurde das bei einem Teilnehmenden, der sich äusserte: «Ok, lasst uns die Sache schnell beenden, sagt mir, was ich falsch gemacht habe.» In Feedbackrunden bei den Seminaren wird vereinbart:

  • Jegliche Kritik zu untersagen, sowohl direkte als auch indirekte.
  • Erkannte Fehler durch einen Vorschlag zu äussern, der zwei Gründe beinhalten soll, was sie veranlasst zu glauben, dass es eine gute Idee ist oder was der Vorschlag bringen würde.
  • Umfassende positive Anerkennung und Kommentare über die Person, ihre Fähigkeiten usw. zu äussern.

Einfache Formel

In einem positiven Miteinander ist das Verhältnis laut Prof. John Gottman von der University Seattle zwei tadelnde gegen fünf lobende Worte. In einer anderen Studie wird das Verhältnis negative Anerkennung zu positiver Anerkennung mit 1:2 angegeben. Eine einfache Formel: Zweimal loben und erst bei der nächsten Möglichkeit dann wieder einmal tadeln.

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Theo H. Koch

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