Weiterbildung
Veröffentlicht vor 5 Jahre, 8 Monate

Weltweit Bildung durch Finanzkrise gefährdet

Das Fazit des diesjährigen UNESCO-Weltbildungsbericht „Ausgeschlossene einbinden“ ist ernüchternd, denn die Auswirkungen der Finanzkrise drohen Millionen Kindern in den ärmsten Ländern der Welt den Zugang zu Bildung zu verwehren. Die Fortschritte der letzten zehn Jahre sind durch das sinkende Wirtschaftwachstum, die steigende Armut und erhebliche Sparzwänge massiv gefährdet.

„Während Industrieländer ihre wirtschaftliche Erholung voranbringen, drohen vielen Entwicklungsländern Rückschritte in der Entwicklung ihrer Bildungssysteme. Wir können es uns nicht leisten, eine „verlorene Generation“ von Kindern ohne Zugang zur Bildung zu schaffen, denen die Chance genommen wird, der Armut zu entkommen,“ so UNESCO-Generaldirektorin Irina Bokova.

Auf dem Weltbildungsforum im Jahr 2000 in Dakar verpflichteten sich 164 Länder, bis zum Jahr 2015 sechs Bildungsziele zu erreichen: Ausbau der frühkindlichen Förderung und Erziehung, Grundschulbildung für alle Kinder weltweit, Absicherung der Lernbedürfnisse von Jugendlichen und Erwachsenen, Halbierung der Analphabetenrate unter Erwachsenen, Gleichberechtigung der Geschlechter und Verbesserung der Bildungsqualität.

Der von der UNESCO beauftragte Bildungsbericht gibt nun jährlich einen Zwischenstand. Und die Deutsche UNESCO-Kommission und das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung veröffentlichen gemeinsam eine deutschsprachige Kurzfassung des Berichts.

Der aktuelle Bericht verweist auf einige wichtige Erfolge der letzten zehn Jahre, welche das Vorurteil widerlegen, dass Entwicklungsländer nicht in der Lage seien, schnelle Fortschritte zu machen. Doch insgesamt erfolgen die Fortschritte dennoch zu langsam, um gewisse Ziele erreichen zu können. Es wird kritisiert, dass viele Regierungen daran scheitern, extreme Ungleichheiten im Bildungssystem zu bekämpfen.

Rund 70 Millionen Kinder im Grundschulalter und ebenso viele Jugendlichen weltweit können keine Schule besuchen. Falls sich dieser Trend fortsetzt, werden auch 2015 noch weltweit 56 Millionen Kinder im Grundschulalter keine Schulbildung erhalten können.

Und weltweit leben rund 1,4 Milliarden Menschen von weniger als 1,25 Dollar pro Tag, wodurch die Kosten für die Schulbildung mit denen für grundlegende Bedürfnisse wie Gesundheits- und Nahrungsversorgung konkurrieren.

Des Weiteren sind die Geschlechtsdisparitäten noch tief im Bildungssystem verankert, weshalb oftmals mehr Jungen als Mädchen eine Schule besuchen und von 759 Millionen Analphabeten zwei Drittel Frauen sind.

Schlussfolgernd lässt sich im Weltbildungsbericht 2010 festhalten, dass die Gebergemeinschaft bislang gescheitert ist, das eingegangene Versprechen zu erfüllen, denn es soll kein Land, das sich in Dakar dem Ziel der „Bildung für alle“ verpflichtet hat, aufgrund fehlender Finanzmittel scheitern. Der Bericht schätzt, dass Entwicklungsländer zusätzliche sieben Milliarden US-Dollar pro Jahr oder 0,7 % ihres Bruttoinlandsproduktes für die Bildung aufbringen können. Aber selbst dann bleibt ein jährliches Defizit von 16 Milliarden US-Dollar für 46 einkommensschwache Länder, um das in Dakar gesetzte Ziel zu erreichen. Deshalb sollte eine Geberkonferenz einberufen werden, um diese Lücke zu schliessen und die Ziele 2015 erreichen zu können.