Wirtschaft
Veröffentlicht vor 5 Jahre, 6 Monate

Wie Familienbetriebe die Innovationsaufgabe lösen

Grosse Konzerne schöpfen ihr Innovationspotenzial mit klar strukturierten Prozessen aus.Was aber tun Familienunternehmen, um mit nachhaltigen Innovationen wettbewerbsfähig zubleiben? Eine qualitative Untersuchung fördert überraschende Ergebnisse zutage.

Eine Befragung unter 100 Verantwortlichen von Familienunternehmen und KMU über die Innovationsfähigkeit ihrer Unternehmen öffnet eine breite Palette von Meinungen zur Frage: Wie stellen sie sicher, dass ihr Unternehmen konkurrenzfähig bleibt? Was unternehmen sie, damit ihr Geschäftsmodell innovativ bleibt und anders, also kompetitiver ist als jenes der Konkurrenz? Kennen die Unternehmer die Hauptbestandteile ihres Erfolgs?

Ausgangslage

Familienunternehmen mit aktiven starken Patrons pendeln häufig zwischen Tradition und einer erstaunlichen Innovationsfähigkeit. Der Zwang zur Innovation steht in direktem Zusammenhang mit der Margenentwicklung. Sie gibt Auskunft darüber, ob das Geschäftsmodell stabilist oder austauschbar wird.

Die Mehrheit der befragten Firmen (57Prozent) konnte in den vergangenen fünf Jahren die Margen halten oder sogar steigern, knapp 40 Prozent beklagt sinkende Margen. Sie sind gezwungen, ihr Geschäftsmodell kritisch zu hinterfragen.

Zwei Drittel der befragten Unternehmen basieren ihren Wettbewerbsvorteil auf der Qualität ihrer Produkte. Sie betonen, dass Qualität gerade im Ausland, immer noch ihren Wert habe. Den Unternehmernwird immer mehr bewusst, welche Bedeutung die Marke für den Erfolg des Unternehmens verkörpert. Die Hälfte der Firmen schätzen Vertriebskraft und gute Mitarbeiterführung (47 Prozent) bzw. Innovation und Strategie (46 Prozent) zu weiteren wichtigen Erfolgsfaktoren. Prozesse und Kostenführerschaft hingegen ist nur für einen Viertel der Befragten ein Bestandteil ihres Erfolgs.

Kunden sind wesentliche Ideenlieferanten

Die Studie ging vertieft der Frage nach dem Ursprung innovativer Ideen nach. Gut die Hälfte der Unternehmer glauben, die Quelle der Ideen liege im Zusammenspiel zwischen äusseren und inneren Faktoren, zwischen Kundenbedürfnissen oder Marktentwicklungen und kreativen Ideen im Unternehmen selber. Konkret nennen 77 Prozent ihre Kunden als inspirierenden Faktor, wogegen die Lieferanten nur von 35 Prozent der Unternehmen als Ideenquell genannt werden. Der Anstoss zur Innovation kommt gemäss Umfrage aber auch zu 57 Prozent aus dem Führungskreis der Unternehmen.

Instrumente zur Innovations und Unternehmensentwicklung

Drei Viertel der Unternehmen geben an, sich von anderen Branchen inspirieren zu lassen, wenn es darum geht, das Geschäftsmodell weiterzuentwickeln, wobei namentlich grosse Konzerne als Vorbild beigezogen werden. Beispielsweise ist die Automobilindustrie besonders gefragt, wenn es um Fertigungsprozesse geht. Um das Geschäftsmodell à jour zuhalten, unterziehen zwei Drittel der Unternehmen ihr Modell einer regelmässig wiederkehrenden Prüfung. Die meisten davon tun dies jährlich. Überraschend ist jedoch, dass ein Drittel der Befragten auf eine regelmässige, strukturierte Überprüfung des Geschäftsmodells verzichtet.

Einstellung im Unternehmen

Wie oft gemeint unterschätzen Unternehmer häufig die sogenannten Soft-Faktoren. Die Studie ging deshalb auch der Frage nach, wie Unternehmer die Innovationskultur fördern und wie sie selber ihre Wertehaltung definieren. Vertrauensvoll (73 Prozent), änderungsbereit (68Prozent) und kreativ (65 Prozent) waren die häufigsten Nennungen, wogegen visionär (27 Prozent) oder andersartig (26 Prozent) deutlich weniger genannt wurden. Gefragt wurde auch, wie mit sogenannten „Spinnern“ umgegangen wird. Zwei Drittel der Unternehmen dulden Mitarbeiter, die teilweise provokativ die beschrittenen Wege in Frage stellen. 20 Prozent der Unternehmen nutzen gar monetäre Anreize, um solche Querdenker bei Erfolg zu entlöhnen.

Entscheidend sind Meilensteine

Die entscheidenden Wegmarken auf dem Pfad zum Erfolg eines Familienunternehmens sind die innovativen Meilensteine, auf deren Basis das Geschäftsmodell neu definiert wird. Die Unternehmer zählen dazu vor allem die Entwicklung neuer Geschäftsenheiten oder Bereiche, von denen man sich getrennt hat. Es sind diese Entscheide, die ein Unternehmeneinen entscheidenden Schritt vorwärts bringen. Die Untersuchung ergab, dass solche nachhaltigen Veränderungen im Geschäftsmodell nur ein bis zwei Mal pro Unternehmergeneration gelingen. Die Notwendigkeit, solche Erneuerungen voranzutreiben, gehört zu einer der grossen Herausforderungen jedes Unternehmers. Aus der Studie geht hervor, dass der Anstoss zu mutigen Veränderungen in aller Regel von der Eigentümerschaft und nicht vom Management ausgeht, da die Eigentümer oft auch operativ die Geschicke des Unternehmens führen.

Als ihre grösste Herausforderung in den kommenden fünf Jahren betrachten die meisten Unternehmer die Nachfolgeregelung. Dabei mangelt es nicht an geeigneten Personen, vielmehr aber geht es darum, den Übergang von einer Generation zur nächsten ohne starken Kulturbruch zu gestalten. Vor allem bei Unternehmen, die noch keinen oder erst einen Generationenwechsel hinter sich haben, ist die Unternehmensnachfolge häufig mit vielen Emotionen verbunden.

Zur Befragung

Befragt wurden die Eigentümer und Geschäftsführer von gut 100 Familienunternehmen in der Deutschschweiz in der Zeit von Februar bis Juli 2010. Ausgewählt wurden Unternehmen, die in ihren Regionen eine gewisse Leuchtturmfunktion wahrnehmen und mehrheitlich in dritter oder vierter Generation tätig sind. Die Befragung fand persönlich statt, verwendet wurde ein strukturierter Fragebogen. Der Durchschnittsumsatz der befragten Unternehmen beträgt 78 Millionen Franken und sie beschäftigen im Mittel 224 Mitarbeitende. Die Firmen stehen für einen Querschnitt durch alle Branchen der Schweiz. Ein Viertel der Unternehmen lebt überwiegend (über 50 Prozent) vom Export. Die Hälfte der befragten Firmen haben zwei bis fünf Eigentümer (Gesellschafter), 17% der Unternehmen sogar mehr als sechs. Die Befragung wurde vom Beratungsunternehmen Weissman Suisse AG, Zürich initiiert, einem Spezialisten für Familienunternehmen. Partner der Befragung waren die Marketing- und Werbeberatung TBWA\ Zürich sowie die Privatbank Baumann & Cie, Basel.

Kontaktinfo

Vera Knauer

Name Vera Knauer
Position CEO Weissman Suisse AG
Firma Weissman Suisse AG
Adresse Limmatquai 84
CH-8001 Zürich

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