Human Resource
Veröffentlicht vor 5 Jahre, 6 Monate

Mit Mikropausen entspannter durch den Arbeitstag

Wer vor lauter Aktivismus nicht mehr zur Ruhe kommt, leistet sich und seinem Unternehmeneinen Bärendienst. Wer hingegen während der Arbeit immer wieder kurz den Mutzum Nichtstun aufbringt, lebt gesünder und ist innovativer. Dasbelegen Untersuchungen zum Nutzen von Mikropausen.

Gemäss einer Studie des Staatssekretariatsfür Wirtschaft (Seco) aus dem Jahre 2000 verliert die Schweizer Wirtschaft jährlich 4,2 Milliarden Franken aufgrund negativer Auswirkungen von Stress am Arbeitsplatz. Dieser Betrag dürfte heute– bedingt durch Krise, Teuerung und nochmals angestiegenem Leistungsdruck– noch um einiges höher liegen. Die im Zusammenhang mit Stress am Arbeitsplatzhäufig genannten „Stressoren“ sind eine schlechte Arbeitsorganisation, der zunehmende Leistungsdruck und Druck durch Arbeitskollegen oder Vorgesetzte. Weniger Beachtung findet die Tatsache, dass viele Menschen heute auch ohne unmittelbaren äusseren Druck gestresst sind und nicht mehr „abschalten“ können. Sie leben unter dem unausgesprochenen Diktat, dauernd aktiv sein zu müssen und erlauben sich keine Pausen mehr.

Zwischendurch abschalten

Um gesund zu bleiben, müssen wir aber die Balance halten zwischen Aktivität und Ruhe, Spannung und Entspannung. Und zwar bereits während der Arbeit. Den ganzen Tag Hektik und dann am Abend die Seele baumeln lassen, das gelingt den wenigsten Menschen. Wer acht oder zehn Stunden in einem permanenten Ausnahmezustand war, kann am Abend nicht einfach den Schalter umlegen und entspannen. Fitness und Bewegung nach getaner Arbeit sind richtig und wichtig, um gesund zu bleiben. Wenn man sichaber nicht bereits während der Arbeit immer wieder kurze Pausen gönnt, nützt auch der Sport am Feierabend oder Wochenende nichts – zumal viele Menschen ihr Fitnessprogramm ähnlich atemlos absolvieren wie ihr Arbeitspensum. Das musste beispielsweise vor gut anderthalb Jahren auch Bundesrat Merz erfahren, der trotz sportlichem Lebenswandel einen Kreislaufkollaps erlitt.

Nutzen wissenschaftlich belegt

Erholung während der Arbeit – wie soll das funktionieren? Wissenschaftliche Studienbelegen seit langem, dass jemand, der regelmässig Kurzpausen, so genannte Mikropausen macht, sich und seinem Unternehmen gleichermassen nützt.

  • Bereits 1985 belegten Laborstudien von Janaro und Bechtold, dass regelmässige Mikropausen die Arbeitsleistung erhöhen. Zwei weitere Studien von Henning et al. 1997 und McLean et al. 2001 bestätigten diesen Befund.
  • Eine geringere Fehlerzahl und positive Auswirkungen von Mikropausen auf das psychische Befinden stellten Kopardekar und Mital 1994fest.
  • Mehrere Studien belegen, dass regelmässige kurze Pausen Beschwerden der oberen Extremitäten, Augen und Nacken zurückgehen lassen (Henning et al. 1989, Hanson et al. 1996, Green 1999, Galinsky etal. 2000).

Regelmässige, kurze Mikropausen erlauben dem Organismus sich im Verlaufe eines Arbeitstages immer wieder zu regenerieren. Am besten, man probiertes einfach aus. Sie schliessen für eine Minute die Augen und spüren Ihr Gewicht auf dem Bürostuhl. Sie atmen dreimal tief aus, bevor Sie das Telefon abnehmen. Sie dehnen und strecken sich in Ihrem Bürosessel. Gähnen dabei vielleicht herzhaft. Sie lösen sich für einen Moment vom Bildschirm, legen die Handflächen auf Ihre Augen und schauen mit offenen Augen ins wohltuende Dunkel. Dadurch können sich die Augen von der permanenten Anstrengung am Bildschirm erholen. Mit solchen Mikropausen findet man (wieder) zu sich und bekommt einen tieferen Zugang zu seinen geistigen Ressourcen. Zur Anwendung gelangen Übungen zur Atemregulierung, zum Entspannen der Augen, Dehn- und Lockerungsübungen, Muskelentspannungsübungen oder mentale Entspannungstechniken. Mikropausen lassen sich auch in der beruflichen Weiterbildung sinnvoll einsetzen. Mit Mikropausen lösen sich Denkblockaden bei den Unterrichteten wieder auf, sie helfen gegen Konzentrationsschwächen und Abgelenktsein und helfen allgemein, eine entspannte und angenehme Lernatmosphäre zu schaffen.

Mut zu Mikropausen

Ich höre den Einwand, Mikropausen seien ja nur jenen möglich, die über ein eigenes Büro verfügen. Stimmt, es braucht ein bisschen Zivilcourage, um im Grossraumbüro vor den Augen aller anderen nichts zu tun – und sei es auch nur für 30 Sekunden. Es gibt allerdings auch Unternehmen wie IBM oder Axa Winterthur, die ihre Mitarbeitenden zu Mikropausen ermuntern, weil sie wissen,dass entspannte und wache Mitarbeitende bessere Leistungen erbringen. Mikropausen als Teil der Unternehmenskultur zu verankern, erfordert keinen grossen Aufwand, noch entstehen dabei hohe Kosten. Was es braucht, ist eine HR-Führung bzw. eine Unternehmensleitung, die der Belegschaft signalisiert, dass Mikropausen eine gute Sache sind – im Sinne von: „Der CEO macht gerade seine Augenübungen, dann lehne ich mich jetzt auch mal kurz zurück.“

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Claude Weill

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